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m.reimold@gft-online.de

Mit Mentor zum Ziel

Wie werde ich erfolgreich? Schaffe ich das alleine, meine Vision umzusetzen? Ist das zu viel Risiko? Zahlreiche Erfolgsgeschichten belegen, dass kaum ein Ziel vollkommen alleine erreicht wurde. Ob bewusst oder unbewusst: Viele erfolgreiche Menschen hatten eine ganz bestimmte Person an ihrer Seite, einen Förderer und Unterstützer: Sogenannte Mentoren. Auch die folgende Erfolgsgeschichte eines Startups gründet auf genau diese Beziehung.

Den Anfang macht die Vision

In Tübingen trifft und vergnügt sich eine Gruppe befreundeter Sozi-Studenten regelmäßig im einzigen Irish Pub der Stadt. Zur Sprache kommen dort oft die beruflichen Pläne der angehenden Sozialwissenschaftler sowie deren Ziele und Visionen. Der jüngste unter ihnen heißt Erik. Er ist gerade mal Anfang 20 und redet, anders als die anderen nicht einfach nur davon, einen festen Job mit gutem Einkommen anzustreben. Sowas ist doch keine Vision! Er fantasiert lieber über die Gründung seiner ganz eigenen Online-Plattform, die bei der Partnervermittlung helfen soll.

Die ganzen Elitepartners, Parships und Lovescouts dieser Welt wissen nicht, wie das richtig funktioniert. Großes Vorbild dagegen ist die Dating-App Tinder. Er ist der Meinung, mit seinem Erfolgsrezept alle deutschen Versionen der Dating- und Partnervermittlungs-Plattformen übertrumpfen zu können. Bestenfalls erreicht diese Webseite Millionen!

Millionen? Das sind nur die Spinnereien eines Jungspunds. Die anderen halten das für ein wenig zu ambitioniert. Unterstützung für seine Idee erfährt er in seinem direkten Umfeld also kaum. Dennoch hält Erik selbst Jahre später an seiner Vision fest und überlegt sich, das Risiko der Selbstständigkeit einzugehen.

Er hat während seinem Studium in Tübingen zufällig jemanden kennengelernt, der sowas ähnliches aufgebaut hat, nur anders. Sein Name ist Colin Berr. Er ist Gründer der Webseite Mentor Lane, auf welchen Menschen mit Zielen und Visionen mit dem passenden Mentoren bei der Umsetzung dieser geholfen wird. Das ist doch irgendwie auch eine Art der Partnervermittlung, denkt sich Erik. Colin war einst aus Gewohnheit zum „Networking“ in eben jenem sagenumwobenen Irish Pub, kennt die Idee von Erik und befand sie schon zum damaligen Zeitpunkt als sehr spannend.. Kann er von Colin entscheidende Tipps erhalten?

Die beiden haben damals zwar ihre Kontaktinfos ausgetauscht, Erik ließ jedoch lange Zeit nichts von sich hören. Wenige Monate vor dem Abschluss seines Studiums nimmt er dann doch endlich den Kontakt auf und fragt um Rat. Colin erinnert sich, hält es noch immer für eine verdammt spannende Idee und fragt den inzwischen 25-jährigen Erik nach deren Umsetzung – „Deswegen rufe ich an. Hast du da den Durchblick?“ Muss er – Erik erinnert sich auch heute noch an die sehr einprägsame Geschichte der zufälligen und sehr sympathischen Bekanntschaft aus Tübingen.

Colin Wer? Colin Berr! – mit Umwegen zum eigenen Startup

Colin Berr kommt ursprünglich aus Kalifornien. Als er das erste Mal nach Deutschland kam, hatte der damals 21-Jährige ursprünglich einen klaren Plan. Im Zuge seines Studium zu „Internationale Beziehungen“ wurde ihm ein Praktikum in der US-Botschaft in Berlin zugesichert. Doch die relativ kurzfristige wie überraschende Absage warf alle Pläne über den Haufen. Da er zumindest für dieses Semester sein Studium nicht fortsetzen konnte und eh schon auf gepackten Koffern saß, reiste er dennoch nach Deutschland. Er widmete sich in dieser Zeit dem Knüpfen von Kontakten. Er stellte sich bei den verschiedensten Unternehmen vor und kam irgendwann als Praktikant bei einem sogenannten Startup Accelerator unter – einem Förderprogramm für junge Startups.

Hier kam Colin erstmals mit dem Thema Mentoring in direkten Kontakt. Vereinzelt von Kommilitonen, vor allem aber von Professoren oder Gast-Rednern in den USA hörte er zuvor von der Idee, sich einen sogenannten Mentor zu suchen. Der soll bestenfalls 10 bis 20 Jahre Erfahrung in der Branche haben, in welcher der eigene berufliche Weg vorgesehen ist. Die vielen jungen Unternehmer, mit denen er ins Gespräch kam, bestätigten den Nutzen dieser Art der Betreuung. Sie sahen das gute Mentoring in Unternehmensfragen als Hauptgrund dafür, warum sie mit ihren Startups erfolgreich waren. Dieses Praktikum war somit Nährboden für seine zukünftige Idee, junge Startups mit erfahrenen Unternehmern zu vermitteln und diesen mit entsprechendem Know-How unter die Arme zu greifen.

Hier lernte er auch eine junge Unternehmerin aus Frankfurt kennen, die ihr eigenes Startup zum Thema Mentoring aufgebaut hat und hierfür einen fähigen Geschäftspartner suchte. Sie sollte ihm für seine zukünftige berufliche Entscheidung im Gedächtnis bleiben.

So verging Colins Zeit in Deutschland, bevor es wieder für ein letztes Semester zurück in die USA ging. Er beendete sein Studium in Texas und stand dann am ersten Scheideweg: In den USA bleiben, oder wieder nach Deutschland zurück? Nach einem kurzen Intermezzo beim Handelsministerium in Washington folgte er daraufhin dem Ruf der damaligen Bekanntschaft nach Frankfurt. Meinungsverschiedenheiten verhinderten allerdings eine harmonischere, vor allem längere Zusammenarbeit.

Was jetzt? Colin brauchte nicht lange um den Entschluss zu fassen. Er wollte sein eigener Chef werden. Er scheute sich nicht davor, zu Scheitern. Er hatte wenig und konnte darum nur wenig verlieren. Mit einem kleinen Bankkredit wurde die erste Idee von Mentor Lane umgesetzt – damals noch mit der Hilfe von Mitgründern. Der Jungunternehmer sollte auf lange Sicht nicht verlieren, sondern gewinnen.

Plötzlich Mentor und plötzlich Mentee: Informelles Mentoring

Colin, jetzt 28, sammelte im Gegensatz zu Erik also bereits reichlich Erfahrung (sowie Lehrgeld). Der gebürtige Kalifornier hat sich in seiner Branche inzwischen ein umfangreiches Kontakte-Netzwerk aufgebaut. Doch der Aufbau eines Online-Dating-Portals ist nicht seine Vision. Er hat schon genug damit zu tun, seine eigene Plattform am Laufen zu halten und passende Mentoren für die zahlreichen, sich bewerbenden Mentees zu finden – das sind die Dates, um deren Vermittlung sich Colin kümmern möchte. Nachdem schon der allererste Versuch von Mentor Lane aufgrund eines internen Konflikts zwischen den Mitgründern ins Stocken geriet, will er die Zukunft seines Projekts nicht wieder gefährden.

Dennoch bietet er seine Unterstützung an. Denn Erik hat nicht nur mit seiner Idee das Interesse geweckt. Wegen seiner Begeisterung und seinem Willen, diese Idee konsequent umzusetzen, hat Colin auch reichliche Sympathien für ihn über. Außerdem hat der Erschaffer von Mentor Lane schon mit der Gründung von seinem Startup bewiesen, dass es seine Berufung ist, anderen jungen Unternehmern zu helfen. Nicht zuletzt hatte er während seiner ersten Zeit in Frankfurt die Unterstützung eines Mentors und weiß das Privileg, einen Förderer und Unterstützer zu haben, dank eigener Erfahrungen sehr zu schätzen.

Für die Umsetzung wird Colin zwar keinen aktiven Part einnehmen, setzt sich aber als Mentor mit ins Boot. Dabei spielt er den Navigator: Fehler, die er bereits in der Vergangenheit gemacht hat, müssen seinem Mentee kein zweites Mal geschehen. Entscheidend für einen guten Mentor ist also nicht das Alter, sondern die Erfahrung: Denn zwischen beiden liegen nur drei Jahre Unterschied.

Die Richtung sowie das Tempo gibt letztendlich alleine der Mentee vor. Soll es mit Vollspeed sein oder mit eingeholtem Segel? Auf zu unbekannten Ufern oder in vertrauten Gefilden und ruhigen Gewässern? Ohne das jemals verbal geäußert oder konkret angestrebt zu haben, sind die beiden nun selbst in eine Art Mentoring-Programm hineingeraten.

Da Colin viel unterwegs ist und sie sich nur ganz selten persönlich treffen können, verabreden die beiden sich von hieran für jeden Sonntag zu einem Skype-Gespräch. Ansonsten stehen sie auch in allen anderen vorhandenen Medien in regen Kontakt. Sie tauschen sich über den Stand der Dinge aus und reden über die Sorgen Eriks, welcher außerdem jederzeit die Chance hat, Fragen zu stellen. Im Gegenzug bieten sich genauso Colin die Gelegenheiten, die „wichtigen“ Fragen zu stellen. Dabei gilt immer die Devise: Fördern statt Fordern. Die Entscheidungsgewalt liegt beim Mentee. Und dieser soll nicht unter dem Druck des Mentors Entscheidungen treffen. Die Aufgabe des Mentors ist es, Anregungen zu geben. Der Schützling ist trotz Mentorings nicht davor gefeit, Fehler zu machen. Diese sollen ihm aber auch zustehen – denn aus Fehlern wird er lernen.

An die Arbeit: Erste Schritte in der Unternehmensgründung

Zuallererst bekommt Erik vorgeschlagen, spätestens nach seinem Studien-Abschluss dem neu gewonnenen Mentor ein ausgearbeitetes Konzept vorzulegen – einen sogenannten Businessplan. Nur auf dieser Grundlage würde sich urteilen lassen, wie tragfähig diese Geschäftsidee letztendlich ist. Das erste Konzept, dass ihm dann vorliegt, ist lücken- und fehlerhaft, fast schon lieblos. Jedenfalls ist es keine gute Grundlage, um weiterzumachen.

Colin zeigt sich logischerweise nachsichtig mit seinem Mentee. Woher soll der Kerl das besser wissen? Worauf gilt es zu achten? In diesem Konzept soll ersichtlich werden, dass Erik für das Thema brennt! Es braucht Zahlen und Fakten. Und eine Aufteilung in Meilensteine, auf dem Weg zur ganz großen Vision. Die Meisterschaft wird nur geholt, wenn die einzelnen Matches gewonnen werden. Die Kunst ist es dabei, sich nicht zu ambitionierte Fristen, sondern realistisch zu erreichende Zwischenziele zu setzen. Erik nimmt die Anregungen seines Mentors dankend an. In einem zweiten Anlauf, sieht das schon besser aus – nämlich nach etwas, womit sich arbeiten lässt.

Was jetzt schon dank Konzept klar wird: Erik braucht einen Programmierer. Er selbst hat das absolut nicht drauf. Schon während seines Studiums und dank seines gesammelten Wissens in Sozialpsychologie hat er zwar eine genaue Vorstellung davon entwickelt, nach welchen Gesichtspunkten der Persönlichkeitstest und wie die richtigen Matchings rausgefiltert werden sollen – hat aber blöderweise keine Ahnung davon, wie das in einem Algorithmus und der dazugehörigen Programmiersprache auf einer Online-Seite umgesetzt wird. Jedes Startup braucht ein Gründerteam bestehend aus mehr als einer Person, damit sich Kompetenzen ergänzen. Dementsprechend muss sich der frisch gebackene Uni-Absolvent auf die Suche nach passenden Mitgliedern hierfür begeben. Colin betont dabei, wie wichtig Vertrauen ist. Wichtig ist, dass alle an einem Strang ziehen. Aus eigener Erfahrung weiß er, wie sonst ein Scheitern der Geschäftsidee drohen kann.

Das Netzwerk als Ressource nutzen

Erik bekommt die Empfehlung, zunächst sein eigenes Netzwerk nach passenden Experten zu durchforsten. Nur besteht das überwiegend aus Sozialwissenschaftlern, von denen kein einziger die Programmiersprache beherrscht. Dank Colin und einigen Gesprächen mit anderen Mentoren seiner Plattform gesellen sich hierzu zwar noch einige Unternehmer, die passende Expertise fehlt nach wie vor. Ganz zu schweigen davon, dass einer davon gänzlich freiwillig seine Dienste leisten würde. Da helfen selbst die besten IT-Kontakte von Colin nichts. Erik hat kein Budget für sowas.

Was der Jungunternehmer hat, ist seine Schwester Lisa, die Informatik studiert. Colin ermutigt ihn dazu, diese Möglichkeit in seinem Netzwerk nicht ungenutzt zu lassen. Nicht ohne Grund haben viele große Erfolgs-Storys ihren Ursprung aus Familien – außerdem sind viele der besten Mentoren auf dieser Welt der Vater, die Mutter oder die Geschwister. Als er seine Schwester fragt, wundert die sich erstmal, dass ihr Bruder diese wahnsinnige Idee noch immer ernsthaft verfolgt – sie ist dabei. So gesehen hat er also ein neues, vertrauensvolles Mitglied für das Gründungsteam seines Startups gefunden.

In einer knackig-spontanen 12-Stunden-Sitzung schmieden die beiden einen ersten Algorithmus und binden diesen in eine rudimentäre Benutzeroberfläche ein. Anschließend nutzen sie die ersten implementierten Funktionen und – it’s a Match! Da die beiden Geschwister sich natürlich noch niiiee leiden konnten, mussten sie ein wenig tricksen um diese Übereinstimmung herbeizuführen. Hauptsache ist, der Algorithmus funktioniert. Genauso offenbart die mehrmalige Überprüfung des Quellcodes keine Fehler. Der erste Schritt zur Realisierung der Geschäftsidee ist also getan.

Mit dem MVP die Nachfrage überprüfen

Erik meldet sich begeistert bei seinem Mentor: Wie geht es nun weiter? Colin empfiehlt, das Produkt erstmal auf den Markt zu schmeißen, um festzustellen, ob es überhaupt Abnehmer dafür gibt. Mit Mentor Lane gelang es ihm und seinen Mitgründern damals, eine Nische zu besetzen, bei der die Konkurrenz in Deutschland überschaubar war. Als das Thema Mentoring in den folgenden Jahren immer mehr an Beliebtheit gewonnen hat, ging es auch mit Mentor Lane steil bergauf. Das Unternehmen avancierte mit seinen Mentorenprogrammen schnell zum Vorreiter in Deutschland.

Gibt es für ein Produkt und die Geschäftsidee dahinter allerdings keinen Markt, wäre eine Weiterentwicklung bis zum Endprodukt nichts als vergebene Liebesmühe. Ein Produkt, das nur mit den nötigsten Funktionen ausgestattet wird, wird MVP genannt – ein Minimum Viable Product, das ausschließlich für den erstmaligen Markteintritt konzipiert ist. Es reduziert das Risiko, zu viel Zeit, Energie und Geld in ein unsicheres Projekt zu stecken.

Eine erste, vorläufige Version steht zügig nach mehreren Wochen. Unabhängig davon, wie das Ergebnis ausfallen sollte, war Lisas bisheriger Zeitaufwand nicht gänzlich umsonst. Sie stellte die Webseite bereits als Projektarbeit in ihrem Studium vor. Überraschenderweise zeigten viele Informatikstudenten großes Interesse daran – das reicht aber bei Weitem nicht, um die fehlende Bekanntheit dieser Plattform zu kompensieren. Mit nur wenigen Benutzern ist es schwer möglich, die Tauglichkeit dieser Plattform zu überprüfen. Wochenlang nach Release der Seite passiert kaum etwas. Anders als Colin sieht sich Erik gleich zu Anfang großer Konkurrenz ausgesetzt – allen voran natürlich die größte Dating-App der Welt aus den USA: Tinder. Das Unterfangen scheint zunächst hoffnungslos zu sein.

Zum Glück hat er da immer noch einen Mentor, den er um Rat fragen kann. Colin weiß, an welchen Stellschrauben zu drehen ist. Eriks ganz eigene Online-Partnervermittlung hat auf Google einen schweren Stand gegenüber anderen Plattformen. Sich bei der Sichtbarkeit gegen etablierte Webseiten durchzusetzen, ist nicht ganz so einfach. Doch Eriks Seite muss sich noch gar nicht mit den ganz großen messen. Lediglich muss das Angebot genau auf seine Zielgruppe abgestimmt werden. Nach Rücksprache vermittelt er seinem Mentee einen Spezialisten in Suchmaschinenoptimierung. Der verrät ihm, worauf es zu achten gilt, damit die Seite online von den Richtigen besser gefunden wird.

Einige Umstellungen und Anpassungen später finden endlich die ersten Nutzer den Weg auf die Dating-Plattform. Die wenigen vorhandenen Funktionen dieses MVPs werden nun umfangreich ausprobiert. Sogar die Resonanz ist nach Wochen des Wartens überwiegend positiv. Doch die Kapazitäten Eriks werden so langsam knapp und noch hat er keinen Cent an der ganzen Arbeit verdient.

Der große Auftritt: Mit dem perfekten Pitch zum Investor

Eine Option für die zukünftige Finanzierung der Geschäftsidee ist, einen speziellen Gründerkredit bei der Bank aufzunehmen. Colin wählte diesen Pfad. Eine andere Möglichkeit ist, einem Investor die Geschäftsidee zu pitchen. Denkbare Kandidaten sind im umfangreichen Netzwerk des Gründers von Mentor Lane schnell gefunden – wie beispielsweise der Startup Accelerator, in dem er sein allererstes Praktikum in Deutschland hatte. Gäbe es diese Kontakte nicht, wäre die Teilnahme an sogenannten Pitching-Events, oder gleich die Hilfe eines Business Angels möglich, welcher Wissen, Netzwerk sowie Kapital zur Verfügung stellt. Worauf es nun zu achten gilt, wird Erik noch auf dem Weg gegeben. Beim Pitch muss jedoch er alleine überzeugen – und wird mit jedem weiteren Pitch, sofern der nicht erfolgreich war, routinierter sowie überzeugender.

Offensichtlich braucht es trotzdem viele Anläufe, bis sich ein williger Investor findet. Erik wirkt zwischenzeitlich sehr frustriert. Der musste von seinem Ratgeber immer wieder aufgebaut und motiviert werden: Nicht jeder gescheiterte Pitch ist umsonst! Die Geschäftsidee zahlreichen Menschen vorzustellen und dabei neue Kontakte zu knüpfen, gehört zum erfolgreichen Weg dazu. Colin zum Beispiel hat auf diese Weise viele Mentoren für das Portfolio von Mentor Lane gewinnen können.

Außerdem versucht er seinem Mentee die Angst vor Misserfolg zu nehmen. Im Grunde wäre das nur das Ende eines Kapitels und der Schaden überschaubar – das Leben danach ginge weiter: Nachdem Colins erster Versuch der Selbstständigkeit aufgrund interner Zwistigkeiten im Gründerteam ein jähes Ende fand, startete er nur wenige Jahre später mit der zweiten Version von Mentor Lane durch. Selbst wenn auch das auf lange Sicht nicht gut gehen und sich nicht weiter finanzieren lassen sollte, so war es den Versuch wert – und das „Scheitern“ wäre nur als weiterer Neuanfang zu verstehen.

Erik bleibt also hartnäckig – und hat damit Erfolg. Er bekommt den Zuschlag von einem deutschen Fonds, das in vielversprechende Internetunternehmen investiert. Damit ist ein entscheidender Schritt vollzogen, um seine Idee weiter umzusetzen. Mit dem behutsamen Ausbau seines Teams und Unternehmen feilt er weiter an der Vision, das größte Netzwerk der Partnervermittlung zu etablieren.

Der richtige Zeitpunkt, das Mentoring zu beenden

Es ist schon viel Zeit ins Land gezogen, seitdem beide dieses Mentoring eingegangen sind. Sie bleiben noch lange in Kontakt, auch wenn sich Colin immer mehr zurückzieht. In Fragen der Finanzen oder des Managements beispielsweise, kann er noch immer sein hilfreiches Wissen teilen – doch von dieser Art der Partnervermittlung hat er jetzt nicht so die große Ahnung.

Seine Expertise im Gründen eines Startups ist nach einigen weiteren Monaten so gut wie ausgeschöpft, sodass es für Erik an der Zeit ist, andere Wege zu gehen. Vielleicht lohnt es sich für ihn auch, nun andere Mentoren zu suchen? Ein großes Vorbild und geeignete Kandidaten wären da sicherlich die Gründer von Tinder. Doch die befinden sich deutlich außerhalb der Reichweite Eriks. Oder?

Vielleicht hat ja Colin Kontakte? Schließlich wurde diese Dating-APP erstmals auf einer Uni in Kalifornien getestet und das Unternehmen hat seinen Sitz in Texas. Alles ein Zufall? Ja, höchstwahrscheinlich. Im Portfolio von Mentor Lane sind diese amerikanischen Unternehmer jedenfalls nicht zu finden. Neben dem Portfolio gibt es dort aber auch noch die Möglichkeit einer individuellen Suche. Und tatsächlich: Eine gewisse Whitney Wolfe – ehemalige Studentin für Internationale Studien in Texas, Mitbegründerin von Tinder und derzeitiger CEO von Bumble – wird an Erik vermittelt. Die Reise geht also weiter.

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